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[bärlin]

the place to be


war am donnerstag zum ersten mal im berghain und ich glaube es war nicht das letzte mal. der weg vom ostbahnhof dahin durch ein unwirtliches, verlassenes gewerbegebiet im regen. vorbei an einem baumarkt und einem großmarkt. kurz vor dem gebäude, einem alten güterbahnhof geht es durch pfützen und eine baustelle mit bauzäunen, richtig asphaltiert ist das noch nicht. industriebrache mit davor drapierten taxis. den türsteher muss ich erstmal fragen, wo es denn weitergeht. rechts durch einen dicken, durchsichtigen plastikvorhang nach oben, durchs graffittibesprenkelte treppenhaus. heute ist elektro-akustischer salon. es beginnt mit einem zwischen lärm und geräusch changierenden dj set, vom musikalischen gehalt eher bescheiden. auch der anschliessende live-elektroteil ist ziemlicher murks, angeblich ist jaki liebezeit krank, wegen ihm bin ich eigentlich gekommen. irgendwie beschiss, hatte am vortag beim kartenkauf im koka noch gefragt, ob alle an bord sein werden, was bejaht wurde. jochen irmler von faust spielt dann düstere, getragene keyboardtonfolgen, gudrun gut mischt elektronische geräusche dazu zusammen. etwas müde. nicht so meins. das publikum findet es allerdings gut, viele italiener vor ort. insgesamt ganz gut besucht der gig, getanzt wird allerdings nur vereinzelt. die projektionsbilder überflüssig wie fast immer. und doch man kann es nicht anders sagen, das berghain hat ein besonderes flair und ich verstehe wieso es der berliner club geworden ist. fabrikhallen haben den reiz, dass sie so hoch sind und soviel raum nach oben bieten. da gibt es viel luft zum atmen. wobei sich natürlich keiner ans rauchverbot hält. was nicht wirklich stört, der rauch kann abziehen. die grundfläche ist allerdings nicht so groß und durch viele nebenräume u.a. zerschnitten. die bar hinter den hochgezogenen sprossenfenstern (dieser erfrischend schonunglose architekturmix) hat etwas von einer kathedrale, die weißen betonsäulen ragen an die zehn meter in die höhe.
Eisbar im Berghain

viele verwinkelte ecken mit sofas und sitzen. ein ort wo einges zu entdecken ist. viele treppen und räume vergittert, man kann reingucken, kommt aber nicht rein. unisextoiletten, auf der einen seite die kabinen, auf der anderen ein bestimmt zehn meter langes pissoir. die armaturen und becken chrom-metallisch, das waschbecken erinnert an jugendherberge. dann da noch diese seltsame schaukel unweit der bar. ca. zwei mal zwei meter zusammengehauene holzbretter, die an einer metalkette hängen. da passen locker zehn oder mehr leute drauf, die hier vor sich herschwingen können. nach unten ist auch wieder abgesperrt, da geht eine treppe runter bestimmt fünf meter tief, ein loch im raum. erinnert an edgar allen poe's "the pit and the pendulum". dann eine künstlich errichtete bühne, vielleicht einen knappen meter hoch. groß und voller zeugs, natürlich vor allem instrumente. sehr potente lautsprecher, ich glaube fünf die etwas aussehen wie große flüstertüten. außerdem an den seiten diese vorrichtungen zum anlehnen, sehr gut ausgetüftelt. links vor der bühne eine treppe, dahinter die tür zu aber man hat einen guten blick von hier auf die bühne.
Berghain, 18.12.2014. Elektroakustischer Salon mit Jochen Irmler & Gudrun Gut sowie den Tenors of Kalma.

innen ist alles verdunkelt, man verliert das gefühl für die tageszeit in dieser location. der gedanke, dass wenn ich dieses industriegebäude vor 15 jahren das erste mal gesehen hätte, ich bestimmt sofort gespürt hätte, dass hier ein riesiges potential liegt. bewunderung für die gelungene renovierung auch wenn ich nicht weiß wie es vorher hier ausgesehen hat. die musik war am anfang schwach aber die finnischen tenors of kalma mit jimi tenor, dem falsetto singenden saxophonisten und keyboarder mit sonnenbrille und einem zwischen hawaii- und militarylook changierenden anzug, haben es dann rausgerissen. sehr feine freie musik zwischen rockexperiment und jazz mit wunderbar manipulierten gitarrentönen, ich sage nur tremoloarm. am ende faden sie langsam aus und ich haue gegen viertel vor zwölf ab bevor ich wegpenne. ohne das berghain wäre berlin heute nicht berlin, es gehört einfach dazu, es ist ein must. zurück das treppenhaus runter und dann zwischen hochhausschluchten zum ostbahnhof. back into the real world.
Berghain. Treppenhaus.


 
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