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[literature] Saturday, 30. June 2007, 13:08 Bachmannpreis, letzter Lesetag Ganz klar der beste Text für mich dieses Jahr war Eine halbe Stunde noch von Björn Kern. Die abgehobene Jury, die völlig hinterm Mond lebt in ihrem ästhetischen Wolkenkuckucksheim mit der einzigen wahren Erzählperspektive und dem hippen PeterLichtSoLustigFinden, hat es nicht gemerkt. Hat die Augen geschlossen vor dem sehr plastisch und einfühlsam geschilderten Horror des körperlichen und geistigen Verfalls eines Menschen weil sie den Blick darauf nicht aushalten konnte? Bis auf Karl Corino und Klaus Nüchtern. Wenn wie hier Realität und Literatur zusammenstoßen und es kracht: genau da interessiert mich Literatur. Mal ganz im Ernst, der Jury sollte man wirklich ein Ticket für einen Trip auf die dunkle Seite des Mondes spendieren. Da könnten sie dann soviel sie wollten eitel und distinktionsbedürftig abstrakt über Formales herumschwadronieren ohne dass es jemandem wehtun würde. Die haben jeglichen Bezug zur Realität verloren. In die gleiche Kerbe (wie ich) schlagen übrigens auch noch andere Blogger. Hella Streicher zum Beispiel.
Hella,
Saturday, 30. June 2007, 23:13
Hui, verehrter Herr Kollege, das
klingt aber mißverständlich, was Sie da geschrieben haben: nämlich so, als schlüge ich in die gleiche Kerbe wie die Jury. - Bei dieser Gelegenheit will ich Sie mal eben auf =>dieses sonderbare Musikvideo<= hinweisen. Und Sie dazu beglückwünschen, daß auch Sie zur Elite derer zählen, die Literatur und Klamauk voneinander unterscheiden können. Werden wir siegen? Ich fürchte: nein.
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alex63,
Saturday, 30. June 2007, 23:57
stimmt, fällt mir jetzt auch auf. hab jetzt zwei klammerworte dazu geschrieben.
die musik gefällt mir sehr. schön düster. typisch frühe achtziger. ich war 83 während des ungewollten wehrdiensts übrigens in oldenburg stationiert. delmenhorst war um die ecke. eine ziemlich beschissene zeit, damals. ... link
Hella,
Sunday, 1. July 2007, 19:07
Das kann ich mir lebhaft vorstellen. Zum Soldatentum muß Mann geboren sein. (Es scheint solche Leute zu geben) - Dank für die Korrektur und das Lob für die Musik. Ich werde es weitergeben.
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denns,
Monday, 2. July 2007, 11:30
Kern
Ich bitte zu bedenken, dass der Text von B. Kern das Klischee des pflegebedürftigen, dementen älteren Menschen bedient. Ältere Leute sind aber typischerweise noch auf einem höheren Funktionsniveau. Das mit dem Schlüpfer war des weiteren sehr unnötig.
Allerdings schien auch mir die Kritik der Jury zu negativ. ... link
alex63,
Monday, 2. July 2007, 17:17
Funktionsniveau? Sorry, aber eine derartige Wortwahl halte ich nun wieder für zutiefst menschenverachtend und unangebracht. Die alte, hinfällige Frau ist eben gerade keine Maschine und genau das kommt im Text, in dem ihre Gefühle geschildert werden, zum Ausdruck. Selbst wenn da Klischees bedient werden sollten, das sagt absolut nichts darüber aus wie realistisch die Darstellung ist. In Anbetracht der Tatsache, dass der Autor mindestens ein Jahr in einem Pflegeheim gearbeitet hat, gehe ich mal davon aus, dass er weiß wovon er schreibt und dass es solche Fälle durchaus gibt. Ich kann sie mir auch gut vorstellen, Alzheimer ist eine Krankheit die sich rapide ausbreitet. Nicht nur weil die Leute tendenziell immer älter werden. Auch die zunehmende Vereinsamung und die neuen Medien (Stichwort Auslagerung von Wissen auf die Festplatte, ins Netz) tragen dazu bei.
Mit dem Schlüpfer das war in der Tat nicht nötig, andererseits hatte man auch das Gefühl, dass der Autor mit der Wortwahl häufig Rücksicht auf den Leser genommen hat bzw. seine eigene Frustration kaum zum Ausdruck bringt. Da waren durchaus literarische Schwächen in dem Text, das will ich gar nicht abstreiten. Aber das war für mich der einzige Text, der mich von der ersten Sekunde an gepackt hat. Wo ich von Anfang bis Ende zugehört habe. Der Autor hat etwas gewagt und hat auch einiges zu seinem Thema zu sagen gehabt. Mir fällt gerade kein anderer Text ein, bei dem diese beiden Kriterien erfüllt waren. Albrecht und Licht z.B. haben etwas herumexperimentiert, hatten aber nichts zu sagen. Seiler und Böttcher hatten was zu sagen, sie sind allerdings keinerlei Risiko eingegangen; der Stil, in dem sie geschrieben haben war sehr betulich. Stangl hatte weder Substanz noch Experiment zu bieten. Das war nur Innenwelt, Egotripping sozusagen. Die Texte von Schmidt und Stavaric waren beide auf ihre Art interessant, konnten aber nicht so fesseln und so aufrütteln wie das Prosastück von Kern. ... link ... comment |
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